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der Cr!s

Zum Glück wurde mir die Aufgabe mich selbst zu beschreiben von der Person abgenommen, die mich am besten kennt.

„Die Freundschaft zu einer Person sagt etwas sehr intimes über einen selbst aus. Wahre Freundschaften sind nicht zufällig. Es gibt sie, diese Zufallsfreundschaften. Aus denen sich dann mehr entwickelt. Zum Beispiel weil man in der Schule seit Jahren neben diesem Mädchen gesessen hat und dieses Mädchen einen bereitwillig die Hausaufgaben hat abschreiben lassen und für die Pause zum Kaffee holen auch eine angenehme Begleitung abgegeben hat. Wenn die Schulzeit dann vorbei ist, ist es selbstverständlich, dass man den Kontakt hält. Eigentlich interessiert es einen wenig, was dieses Mädchen treibt. Das obligatorische „Auf einen Kaffee Vorbeischauen“ wird immer seltener. Dennoch man möchte diesen Menschen nicht vor den Kopf stoßen, meldet sich gelegentlich aus Anstand, trotzdem ist man schon mit dem Formulieren einer möglichst unverfänglichen E-mail überfordert. Sicher gibt es Kreise in denen Freundschaften so funktionieren. Kreise, in denen man sich trifft, damit man nicht alleine ist. Damit es nicht so langweilig ist vielleicht, man nicht immer nur sich selbst zuhört. Um so glücklicher kann ich mich schätzen, dass ich auf solche Menschen immer gut verzichten konnte. Weil ich es nicht nötig habe. Ich habe das große Privileg eine wahre Freundschaft pflegen zu dürfen. Eine Freundschaft zu einer Person, welche ich zwar manchmal vor den Kopf stoße aber dessen Leben mich wirklich interessiert.

Es ist schwierig, den Cris mit wenigen Worten zu beschreiben, weil er einer der facettenreichsten Persönlichkeiten ist, die ich kennenlernte. Dass er sehr temperamentvoll ist, würde wohl jeder unterschreiben. Witzig ist, dass er dieses von dem nicht italienischen Teil seiner Eltern geerbt hat. Am besten kommt sein Temperament bei kontroversen Diskussionen zur Geltung. Und auch wenn ich mich dann logischerweise in der Gegenposition befinde, ist es ein Genuss zu erleben, wie eben nicht leichtfertig nachgegeben wird. Meistens endet sowas dann in etwas zu abgefahrenen Vergleichen. Seine Vergleiche und Unterstellungen sind von der Art, dass ich außer Stande bin, vernünftig dagegen zu argumentieren. Jetzt eher nicht, weil es mich so überzeugt, sondern weil sie so humoresk sind, dass mich meine Sympathie für das was in diesem Kopf vorgeht, einfach überrollt. Fast noch schöner ist es aber, wenn man seine Loyalität genießen darf.  Auch wenn man mal Sachen gesagt oder getan hat, auf die man selber nicht besonders stolz ist, steht der Crisn hinter einem. Gerne fasst er Dinge einfach mal so zusammen, dass man sich gleich besser fühlt. Er tut dies nicht, weil er zu denen gehört, die einem genau das sagen, was man angeblich hören will. Wirft man ihm nämlich genau dieses vor, wird man mit einem hundeartigen Blick angeschaut und beteuert: „Ja, aber ich seh das nunmal so!“ Und es ist cool, wenn man jemanden hat, der einen „so“ sieht!
Verlässlichkeit ist ein treffendes Stichtwort. Damit meine ich nicht nur, dass er sein Wort hält. Es gibt doch gewisse Situationen die man durchmacht, in denen man sich schrecklich ärgert oder freut. Man stellt dann aber fest, dass man ziemlich alleine da steht, weil alle um einen rum, das überhaupt nicht nachvollziehen können. Wenn ich dann an den Cris denke, weiß ich sehr sicher, dass er genau so empfunden hätte wie ich. Das kann ein nerviges Werbeplakat betreffen, welches überproportionale Aggressionen in einem auslöst. Das kann ein total peinlicher Film sein, in den man „versehentlich“ gegangen ist.  Oder ein extrem fenziger Hund, der im Vorbeigehen nach meterhohen Asttrieben schnappt. Man weiß, der Cris würde sich mit einem ärgern oder sich mit einem freuen. Ebenso sicher ist, dass er nix relativieren würde, um möglichst vielen Standpunkten gerecht zu werden. Jetzt könnte der Eindruck entstehen, dass er genauso intolerant ist, wie ich. Stimmt aber nicht so ganz. Und das ist einer weiterer Punkt, der für ihn spricht. Trotz seines zarten Alters ist er in der Lage, andere Lebenswirklichkeiten zu respektieren, zumindest so lange er auch so empfinden darf, wie er will. Vielleicht nicht ganz uninteressant zu erwähnen wäre hierbei, dass der Kerl auf hübsch verpackte Seifen steht. Kein Scherz. Die werden sogar regelmäßig gekauft und zwar dann verschenkt, deswegen ist er aber trotzdem überdurchschnittlich lange mit der Auswahl beschäftigt. Sein enorm ausgeprägtes Gefühl für Ästhetik schlägt sich in allen Bereichen (übrigens sogar bei der Wahl seiner Zigaretten. „Es ist einfach schön, wenn man die dann rauszieht und die haben dann so eine schöne Verpackung!!“) nieder. Ein anderer würde es wohl als „Liebe zum Detail“ beschreiben. Ich finde „Blick für das Unwesentliche“ trifft es besser, auch wenn das nicht ganz so schön klingt. Aber es ist mir eben wichtig, klar zu stellen, dass der Cris nicht auf Kitsch steht. Aber er hats eben drauf, Sachen so zu inszenieren, dass sie einfach stimmig sind, indem er auf etwas achtet, was für jemanden anderen sicherlich unwesentlich gewesen wäre. Oft ist es nicht leicht zu entdecken, was es ist, aber man kann ziemlich sicher davon ausgehen, dass der Kerl sich bei allem etwas denkt.

Ich war lange Zeit im Besitz von ein paar Schuhen, die ich regelmäßig trug. Wie „schön“ diese Schuhe aber wirklich verarbeitet waren und tatsächlich auch einige Details sah ich erst, seit Cris meine Schuhe kannte…
Ohne den Cris würde meinem Leben etwas fehlen. Da gibt es ja so ein italienisches Sprichwort, ich las es erst gestern. so ungefähr lautete es: Wenn du einen Freund gefunden hast, dann hast du einen Schatz gefunden. Nunja,… ich weiß an wen ich gedacht habe…  “

V.G.

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